Reisebericht zur Senioren-Wallfahrt vom 30.6.bis 3.7.2025

41/ September 4, 2025/ Allgemein

Schon bevor die Reise am Montag, den 30. Juni los gehen sollte, war man beim Koffer packen froh gestimmt, denn die Wetterprognose für die kommenden Tage versprach viel Sonne, wolkenlosen Himmel und keinen Regen.

Für die Reiseteilnehmer aus der Region Hannover gab es auch noch einen besonderen Service, für sie begann die Reise am ZOB in Hannover, nicht wie bei früheren Fahrten in Hildesheim. Hier war dann der Zustieg der Gäste aus dem entsprechenden Bereich.

Auch Norbert Sauer war dabei, er ist ja neuer Diözesanbeauftragter für Seniorenarbeit und hat die Reiseleitung übernommen, zusammen mit unserem Diözesanpräses Bernd Langer, der für die geistigen und historischen Inhalte zuständig war. Somit sind wir mit Reisesegen und Gesang frohgemut unterwegs in Richtung Mitteldeutschland, wo wir interessante Städte und Stätten kennen lernen wollen, Kleinode und Besonderheiten. Denn Pfarrer Langer hat für die Fahrt einen Schwerpunkt gewählt: Der Bauernkrieg von 1525 jährt sich zum 500. Mal. Ein Anlass, dass er uns die sozialen und religiösen Hintergründe und Umbrüche dieser Zeit etwas näherbringen möchte, mit seinen phänomenalen geschichtlichen Kenntnissen.

So erreichen wir das Städtchen Bad Langensalza, wo wir in einem japanischen Garten lustwandeln, zwischen Teichlandschaften mit Brücken. Unter „heiligen“ Bäumen finden wir Schatten, ruhen aus an einem Bambushain, betrachten die fernöstlichen Bauten und Teehäuser und staunen über Jahrhunderte alte Bonsaibäume. Die große Hitze über 30 Grad war so einigermaßen erträglich.

Nach einem gemeinsamen Essen mit kühlen Getränken besuchen wir auf dem Weg nach Erfurt das Haus der „Kleinen Schwestern“. Sie berichten uns über ihre Vereinigung, ihre Tätigkeiten und Aufgaben und wir feiern mit ihnen einen gemeinsamen Gottesdienst in der Hauskapelle.

In der schönen Stadt Erfurt nehmen wir Quartier im Bildungshaus St. Ursula. Diese Einrichtung ist gut und bewährt, sie liegt sehr zentral, da wo man sich in Erfurt trifft, die Diözesan Reisegruppe war vor 2 Jahren schon einmal dort. Nach dem Abendessen wurde in kleinen Gruppen die umliegende Gastronomie erkundet und so ließen wir gemütlich den Tag ausklingen (ein Eis geht immer).

Die Ausflugsfahrt am nächsten Tag führt uns in die Rosenstadt Sangerhausen, mit seinem einzigartigen Europa-Rosarium. Ein herrlicher Botanischer Garten mit der weltweit größten Sammlung von ca. 8.700 Rosenarten mit etwa 80.000 Rosenstöcken. Nun, wir haben sie nicht gezählt, aber wir waren höchst beeindruckt von dem, was unser Führer zu berichten wusste, auch praktische Tipps für den eigenen Garten. Die 33°C machten sich schon bemerkbar und so haben wir uns von dort nach einer Pause mit kalten Getränken und Kuchen verabschiedet.

Hier in der Nähe haben wir jetzt einen Bezug zum Bauernkrieg, den Ort Heldrungen mit seiner Wasserburg. Hier wurde der Priester Thomas Müntzer vor 500 Jahren gefangen gehalten und gefoltert, um dann Tage später in Mühlhausen enthauptet zu werden. Müntzer hatte sich im tiefen Christusglauben mit den aufständigen Bauern, Handwerkern und Bergleuten solidarisiert und diese auch in Schlachten angeführt. Der Aufstand bei Bad Frankenhausen gegen die Obrigkeit und das Fürstenheer wurden brutal niedergeschlagen, mit 70.000 Toten bei den Aufständischen. Martin Luther hingegen hatte sich mit seinen Thesen auf die Seite der Obrigkeit geschlagen. Er verfasste 1525 eine Schrift, in der er das Handeln der von Müntzer angeführten Bauern aufs Schärfste verurteilte und den Fürsten eine Art Freibrief ausstellte – er forderte geradezu härtestes Vorgehen gegen die Bauern und war somit zum Gegner von Thomas Müntzer geworden.

Diesen hat man auch zu DDR-Zeiten als Freiheitskämpfer und Volkshelden verehrt und ihm ein monumentales Denkmal gebaut, einen riesigen Rundbau, ein Panorama Museum, weithin sichtbar oberhalb von Bad Frankenhausen. Fasziniert standen wir im Museum vor der größten bemalten Rundleinwand Deutschlands, 14m hoch 123m lang entspricht 1700 m². Dargestellt die „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“, eben auch der Bauernkrieg. Öl auf Leinwand, in einem 12-jährigen Schaffensprozess gemalt vom Künstler Prof. Werner Tübke.

Zurück in Erfurt war nach dem Abendessen Entspannung angesagt, im Klosterkeller, Klostergarten oder noch mal bei einer kleinen Runde in der tropischen Nacht.

Der Ausflug am nächsten Tag führt uns in den Thüringer Wald nach Schmalkalden, ein kleines gepflegtes Städtchen mit viel Fachwerk und großer Geschichte. Der Schmalkaldische Bund wurde 1531 als Bündnis evangelischer Fürsten gegründet. Man verpflichtete sich zu gegenseitigem militärischem Beistand, falls sie wegen ihrer Religion angegriffen würden.

In Oberhof, immerhin ca.750m hoch gelegen, ist der Wintersport zu Hause, beeindruckend die modernen Sportanlagen und Trainingsmöglichkeiten. Noch bekannter ist der traditionelle Wanderweg, der Rennsteig, mit einer Besonderheit, dem Rennsteig-garten. Hoch oben, im Wald angelegt, ist er Heimat für ca. 4000 Pflanzen-arten aus den Gebirgen der ganzen Welt, einzigartig in Deutschland. Und wir Kolpinger werden hier besonders aufmerksam, denn in dieser Anlage mit nationaler Geltung gibt es einen Kolpingweg. Wie der zu seinem Namen kam, kann man auf der Abbildung nachlesen.

Der Rückweg führte uns durch den längsten Straßentunnel Deutschlands mit fast 8 km Länge. Der Tagesausklang lässt uns etwas erschöpft, aber wieder froh und zufrieden auf das Erlebte zurückschauen.

Am nächsten Tag heißt es dann Koffer packen, es geht wieder Richtung Heimat. Doch nicht auf dem schnellsten Weg, das Städtchen Mühlhausen will noch besucht werden. Das mittel-alterliche Stadtbild ist beeindruckend, eine Stadtmauer umschließt komplett den alten Kern. Der Stadtführer erklärt uns die gewaltige Marienkirche, jetzt ein Museum, hier hat der radikale Reformer Thomas Müntzer gepredigt, am 27.5.1525 wurde er hier hingerichtet.

Ganz in der Nähe befindet sich das Kloster Volkenroda, eine einzigartige Einrichtung, die es Wert war, sie kennen zu lernen. Hier ist eine sogenannte Jesus-Bruderschaft zu Hause, eine Lebensgemeinschaft von Frauen und Männern. Sie kommen aus verschiedenen Kirchen und gesellschaftlichen Hintergründen, ihr Leben in der Kommunität ist geprägt durch Gebet, Gemeinschaft und Arbeit. Zu vielen Veranstaltungen und Begegnungen kommen Gäste aus ganz Deutschland nach Volkenroda, sie wohnen hier, verbringen Einkehrtage oder Familienferien. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Christus-Pavillon, der im Jahr 2000 auf der Expo stand und nun hier als ein markantes Gotteshaus steht. Mit seinen Lichteindrücken ist er ein beliebter Ort für Gottesdienste, Wallfahrten, aber auch für Konzerte.

Nach all diesem erlebten befindet sich unser Bus nun endgültig auf dem Heimweg. Vier besondere, vielseitige, interessante und „schön warme“ Reisetage liegen hinter uns. In froher Gemeinschaft, mit Gleichgesinnten zu reisen ist schon etwas Tolles. Der sachkundigen und glaubensnahen Begleitung unseres Diözesanpräses Bernd Langer, wie auch dem Reiseleiter Norbert Sauer für die Organisation wurden ausdrücklich gedankt, aber auch unserem Busfahrer „Stephan“ der uns sehr flexibel, mit Sachwissen und tollem Service, sicher durch die Lande gefahren hat. Ein Gemeinschaftserlebnis, ganz nach dem beliebten Motto: „Kolping macht schlau“

Eine nächste Fahrt soll es geben, wünsche wir uns, dass wir gut durch die Zeit kommen und wir uns wieder entscheiden können: Da fahr’ ich doch gern mit.

Text: Hans-Joachim Wese

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